Ein Jahr hat zwölf Monate, je nachdem 365 oder 366 Tage. Ein Monat etwas mehr als vier Wochen, 28 oder 30 bis 31 Tage. Eine Woche umfasst sieben Tage, ein Wochenende zwei, ein Tag dauert 24 Stunden, 1440 Minuten, 86400 Sekunden. An zwei Wochentagen sitze ich bis halb sechs oder sechs Uhr in der Schule und fahre in der Dunkelheit nach Hause, finde mich nur wenige Stunden danach erschöpft im Bett wieder, um, so scheint mir, kurz darauf wieder aufzustehen und in den nächsten Tag zu stolpern. Die anderen Tage komme ich früh nach Hause, zwischen zwölf und ein Uhr, esse irgendwas Kleines oder lasse es ganz sein und versuche für den Rest des Tages, irgendwie mit mir selbst klarzukommen, angesichts irgendwelcher unsensiblen Idioten in meiner Kontaktliste nicht auszurasten und, wenn möglich, mich etwas anderem zu widmen als lediglich den Schulaufgaben und diesem Ding, bei dessem blossen Anblick ich nicht mehr weiss, was ich denken soll. Die Frustration staut sich auf, je später es wird, sodass der Faden bei mir meist abends reisst, die Kurzschlüsse während Gesprächen mit diesen sogenannten Abend- und Nachtkontakten stattfinden, sodass eben diese Menschen dann den Stromschlag abkriegen und mit der Zeit nur noch diese Seite von mir kennen. Ich bleibe zu lange wach, schiebe wichtige Dinge weiterhin vor mir her, will mich mit niemandem näher befassen als nötig, obwohl mich die Oberflächlichkeit und die kühle Distanz, in die das Ganze ausartet, anwidern, schliesse den Tag mit dem Austausch von Hasstiraden, Beschimpfungen, Verwünschungen und Flüchen ab und starte den nächsten mit einem erneuten Schlafdefizit.
Wenn man jemanden mag, kann man es kaum erwarten, diese Person wiederzusehen, erneut mit ihr zu sprechen, zu wissen, dass sie da ist. Die Zeit, in der man sie nicht sieht, erscheint einem unerträglich lange. Man fiebert stets der nächsten Begegnung hin, es ist eine Vorwärtsbewegung, in der man sich befindet, man ist rastlos, energisch, hat etwas im Visier. Das muss jetzt auch nicht unbedingt eine Person sein, keine zwischenmenschliche Beziehung. Es kann auch ein Projekt sein, an dem man arbeitet, eine Aktivität, der man gerne nachgeht, irgendetwas, dem man sich gerne widmet.
Im Moment jedoch, eine ganze Weile schon, ist es eine andere Art von Rastlosigkeit: Unruhe, da man nicht still sitzen kann. Man sucht nach etwas, spürt, dass etwas fehlt, und weiss doch nicht, was es ist, nach dem man Ausschau hält. Die Tage werden nicht unbedingt länger oder kürzer. Aber die Distanz macht einem nichts mehr aus, da man sowieso nicht mehr darauf wartet, sich kein Wiedersehen erhofft, alles fallen gelassen hat. Es gibt keine Zeitspanne mehr, die ertragen werden muss, es gibt kein Dazwischen, kein Hier, kein Dort. Die Stunden werden nicht länger gezählt, die Tage der Stille, die zwischen den Gesprächen liegen, nicht mehr als solche verzeichnet, die paar Male, die man dann doch miteinander spricht, nicht mehr geschätzt. Man bewegt sich nicht mehr, man lässt sich treiben: wohin, ist ungewiss, spielt keine Rolle, ist nicht die Frage. Vielleicht kommt dann ab und an etwas, das sich einst Lichtblick nannte. Aber weisst du was? Es ist mir trotzdem scheissegal. Es macht die Situation, dieses triste Etwas, den grauen Alltag, das, zu dem das einstige Lebensgefühl verkommen ist, nicht besser. Es ist zu spät, vorüber, wird nicht mehr registriert. Weg halt. Fort.